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DL5OCD > HUMOR 02.08.18 19:07l 355 Lines 18768 Bytes #999 (0) @ DL
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Subj: Das F3E-Relais
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DAS F3E-RELAIS, oder- "KANN MIR JEMAND SAGEN, WIE ICH RÜBERKOMME?"
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by Hans-Heinrich Pardey, DG9FDN
Teil 1
Nur wenige Fragen des Prüfungskataloges bereiten den werdenden Funkamateur
auf die in der Folge für viele -zumindest zeitweilig- vorrangige, weil mit
einfachsten Mitteln zu realisierende Betriebsart hin: F3E über eine Relais-
funkstelle. Viel mehr als die Erfordernis einer Betriebsgenehmigung und die
dringende Empfehlung, Durchgänge kurz zu gestalten, fragt die Prüfung nicht
ab. Dem entspricht, dass anders als bei vielen anderen Biotopen und
gesellschaftlichen Räumen von der Wissenschaft bislang noch kaum die
Population unter- sucht wurde. Gegenstand der folgenden, auf umfangreicher
Feldforschung im 2-Meter- und 70-Zentimeter-Band beruhenden Arbeit ist eine
erste Einordnung in das Artensystem. Sie kann Vollständigkeit nicht
beanspruchen, bemüht sich aber, angemessen den Artenreichtum zu
differenzieren.
Der gewöhnliche Relaisbenutzer
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(OM vulgaris)
Er ist so, wie er ist: Meistens männlich (nach der DARC-Statistik zu etwa
94%) und mehrheitlich entweder recht jung oder irgendwo in den höheren
Regionen der Alterspyramide beheimatet. Mit einer gewissen Regelmäßigkeit, wie
sie allen reviertreuen Arten eigen ist, erscheint der OM vulgaris zu
vorhersagbaren Zeiten auf seiner Standbein-Frequenz. Das gleichzeitige
Eintreffen (oder der habituelle Aufenthalt, sei es zu bestimmten Zeiten oder
dauernd) mehrerer Benutzer wird als Runde bezeichnet. Diese kann ebenso
zufälligen wie rituellen Charakter haben und ist Gelegenheit dazu, dass der
gewöhnliche oder gemeine Relaisbenutzer sich die Verhaltensweisen anderer
Arten zu eigen macht- etwa sich als Palaverer (s. u.) entpuppt.
Der Routinier
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(OM polytropos)
Er wird zuverlässig daran erkannt, dass lange Übung ihn dazu befähigt, sein
eigenes Rufzeichen wie auch jedes andere als eine bloß Nanosekunden lang das
Band belegende Lautfolge auszusprechen. Dass man ihn nicht versteht, ist ihm
wurscht, solange man ihn nicht für einen Anfänger hält. Ähnlich flotten
Umgang pflegt der Routinier mit dem Buchstabieralphabet, wenn er
-grundsätzlich- seinen Namen Meikalfaiksrehh buchstabiert. Ausgiebig macht
der Routinier von Q-Gruppen und sonstigen Kürzeln Gebrauch: So sagt er zum
Beispiel niemals Tschüss, sondern stets "awedeha". Typisch für ihn ist
ferner, dass er auch ein Nachbarschafts-QSO über den Ortsrepeater von
Stolldorf an der Wümme mit der Eile abwickelt, die einer Contest-Verbindung
angemessen wäre: Keiner drückt kürzer, schneller sowieso nicht. Eine
besondere Unterart des Routiniers ist der frisch A-Lizensierte: Er erscheint
nur auf dem Relais, um einen anderen Deltahotel zu rufen, diesem zu
versichern, dass er nur noch "auf der kurzen Welle" zugange sei und ihn auf
eine Nahbereichsfrequenz des 10-Meter-Bandes zu locken.
Der Novize
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(OM novus)
In manchem der genaue Widerpart des Routiniers, fällt der Neue vor allem
dadurch auf, dass er mit unnatürlich starker Betonung und stark reduziertem
Tempo den eingebläuten QSO-Text wie der Hauptdarsteller einer Hamlet-
Schüleraufführung spricht. Weicht die Gegenstation von beliebten Wendungen
wie "Vielen Dank, lieber OM, für das Zurückkommen auf meinen Ruf, der Name
hier ist Hans. Hans ist der Name..." etc. ab, neigt der OM novus zu
Panikreaktionen. Von formlos-abrupter Beendigung des Funkkontaktes bis zum
Vergessen des eigenen Rufzeichens und gebetsmühlenartigem Weiterleiern von
Versatzstücken ohne jede Beziehung zu Äußerungen des Gegenübers ist dann
alles drin. Mit individuell verschiedener Geschwindigkeit wandelt sich der
Novize meist zum gewöhnlichen Relaisbenutzer, als dessen Larvenstadium er
angesehen werden kann.
Der passant
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(OM zappens)
Ihn interessiert nur, wie er rüberkommt. Aus unerklärlichen Gründen erscheint
er jedoch nie, auch wenn man ihm genau erklärt, wo er lang gehen muss, um
rüberzukommen. Ein flüchtiges Phänomen: Kaum da, schon wieder weg.
Der einsame Rufer
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(OM clamens)
Er ruft CQ. Immer wieder, unverdrossen. Sonst weiß man eigentlich nichts von
ihm. Niemand hat ihm je geantwortet.
Der Langstreckler
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(OM DX)
Wird manchmal mit dem Passant verwechselt, ist aber nicht so hektisch. Ruft
aus der Ferne meistens nicht CQ, sondern gezielt nach Stationen, die er
gehört hat. Sein Signal trifft leicht angerauscht ein und er will -lästig,
höchst lästig für das ortsansässige OM-Kränzchen- mit allen Menüpunkten eine
Amateurfunkverbindung abwickeln. Nicht genug, dass er einen Rapport gibt und
den Locator hören will, er sammelt auch noch DOKs fürs DLD und nervt
erheblich durch das unaufgeforderte Versprechen, seine Karte schon
ausgeschrieben zu haben: Schließlich sind etwa 60% der gewöhnlichen
Relaisbenutzer entweder gerade umgezogen oder haben das Rufzeichen
gewechselt, momentan jedenfalls nichts Passendes vorrätig - und was es dauert,
bis die Kartendrucker liefern, das weiß man ja.
Der Zwischenrufer
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(OM qrx)
Nicht zu verwechseln mit dem einsamen Rufer, für den der unaufgeregte CQ-Ruf
mit leicht resigniertem Unterton charakteristisch ist. Der Zwischenrufer
hingegen ruft grundsätzlich nur, wenn das Relais belegt ist und dann meist
ein oder eine Serie seines "QRX mal". Was dann passiert, hängt ganz davon ab,
wer das Relais gerade benutzt: Während der gemeine Relaisbenutzer mit einem
"Bitteschön" dem Zwischenrufer freie Bahn gibt zu einem Anruf, auf den meist
keine Antwort erfolgt, setzt der Palaverer (s. u.) mit einem "QRX gehört"
ungerührt die Schilderung der missglückten Ananas-Sahne-Torte auf der
Hochzeit seines Schwagers fort. Die Relais-Wacht (s. u.) hingegen weist den
Zwischenrufer ausgiebig darauf hin, wo man sich hinsichtlich der Bedeutung
der Q-Gruppen schlau machen könne, um dann aus erzieherischen Gründen "ohne
Umlötpause" mit einer dritten Station darüber zu lamentieren, dass immer mehr
Lizenzen in der Lotterie gewonnen werden.
Der Notrufer
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(OM clamans ex miseria)
Die Art des Rufes verschafft ihm sogleich Gehör - häufig aber trotz eben noch
stark belegten Umsetzers keineswegs stets eine Antwort. Er steht
beispielsweise "an der Autobahn nach Wiesbaden, hinter einem Parkplatz" und
versucht seinen Standort durch eine eingehende Landschaftsschilderung und
sein Problem durch eine verbal vorgetragene Explosionszeichnung eines
Nissan-Dieselmotors zu verdeutlichen. Wird sein Ruf durch einen mit Karte,
Telefon und den wichtigsten Nummern ausgestatteten OM aufgenommen, der zudem
das "Fünf-W-Schema" (Wann, wo, was, wie, wer?) beherrscht, entwickeln sich
manchmal Dialoge von tragischer Größe.
Der Nothelfer
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(OM adiuvans)
Im Volksmund Kummerkasten genannt, ist er keinesfalls ein Notfunk-Profi,
sondern vielmehr ein Meister der non-direktiven Gesprächsführung. Jeder kann
sich bei ihm ausheulen, weil der Hund krank ist, das Netzteil abrauchte, der
fünfte Anlauf zur CW-Prüfung morgen früh ansteht oder die DV-AFuG neu gefasst
wird - jeder wird sich verstanden fühlen, weil die tröstenden Beiträge des
Nothelfers so unverbindlich allgemeingültig sind wie Kalendersprüche. Als
Kummerkasten in besonderem Einsatz wickelt er ausdrückliche Notrufe
gelegentlich mit den allerbesten Absichten und hilfloser Umständlichkeit ab -
weniger Katastrophenfunk als Funker Katastrophe.
Der Mobilist
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(OM mobilis)
Er ist immer unterwegs und führt ein hartes Leben: Servicetechniker für
gewerblich genutzte Kühltruhen ist ja an und für sich ein Schicksal, aber bei
den heutigen Verkehrsverhältnissen ist es einfach eine Katastrophe. An dieser
lässt einen der Mobilist während er üblichen Geschäftszeiten hautnah
teilnehmen: Kein Beinahe-Crash, kein Stau und keine Umleitung, die er uns
nicht mitteilen würde. daher ist der Mobilist bedingt als Verkehrsfunkersatz
brauchbar; leider kann er nicht immer da im Stau stehen, wo wir gerade lang
wollen. Seine Magenschmerzen bereitende Schilderung der vierten lauwarmen
Currywurst in dieser Woche vertreibt zuverlässig jedes Hungergefühl zwischen
Kantinenbesuch und Feierabend.
Der Portable
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(OM omnia sua secum portans)
Von ihm geht die Sage, er sei zu geizig, sich ein Logbuch zu kaufen. Anderen
Darstellungen zufolge wird er jedes Mal, wenn er funken will, von seiner Frau
mit dem Hund Gassi geschickt. Auf alle Fälle existiert der echte Portable nur
als Strich-P, wobei er sich vom lediglich gelegentlich Portablen mit seinen
charakteristischen Feldstärkeschwankungen durch ein glockenreines Signal
völlig gleichmäßig großer Stärke unterscheidet. Wie er das mit halbleerem
Akku und Gummischniepel erzeugt, bleibt sein Geheimnis.
Die Relaiswacht
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(OM vigilans)
Er hat als Frührentner viel Zeit, er ist immer QRV und betrachtet das Relais
daher, wenn nicht schon als sein persönliches Eigentum, so doch als seinen
Verantwortungsbereich. Diesen hält er mit der Mentalität eines Blockwarts in
Ordnung. Natürliche Feinde der Relaiswacht sind Zweitträger von Rufzeichen,
Piraten und OMs mit laxer Betriebstechnik und/oder technischen Problemen. Die
ersten werden scharfen Verhören unterzogen, wieso sie eigentlich mit DIESEM
Rufzeichen in der Luft sein. Wer den Verdacht der Relaiswacht nicht durch
eine einigermaßen plausible Geschichte -am besten Verlesung des beglaubigten
Totenscheins und eingehender Schilderung, wann, wo und durch welche
unglücklichen Umstände man zu DIESEM Rufzeichen gelangt sei- entkräften kann,
wandert automatisch in Kategorie zwei. Enttarnte Piraten werden unerbittlich
weggebissen, wobei der Wächter Verbalinjurien und Wattzahl geschickt zu
verbinden weiß. Relaiswächter, die noch lernen, erkennt man daran, dass sie
umständlich mit dem Funkkontroll-Messdienst drohen. Häufig verfügt die
Relaiswacht über das absolute Gehör: mit dessen Hilfe unterscheidet der
Wächter unfehlbar offene Sprache von Ärgerlichkeiten wie in Farsi oder
texanischem Englisch geführten Gesprächen, um die entsprechenden Verweise
dann in seinem Heimatdialekt auszusprechen. Mit ihrem feinen Ohr bestimmt die
Relaiswacht den Rauschanteil ferner Stationen mit auf 2 Stellen nach dem
Komma exakten Prozentwerten. Auch ein defektes Gerät erkennt der Wächter
sofort: Kaputt sind grundsätzlich alle Geräte, die ein weniger brüllend
lautes Signal produzieren als der Wächter selbst oder von einem Hersteller
stammen bzw. bei einem Händler erworben wurden, mit dem die Relaiswacht
schlechte Erfahrungen gemacht hat. Während sich diese technisch bedingten
Übertretungen der Relais-Ordnung durch einfaches Wegwerfen beheben lassen,
erfordern klar formulierte Gebote wie Rufzeichen-Nennung nimmermüden Einsatz:
Wenn in ein gemütliches Gespräch in scharfem Tonfall "Habt ihr eigentlich
kein Rufzeichen, hier ist DLbrabbelbrabbel!" tönt - das war der Wächter,
allzeit im Dienst. Die Personal-Union von Relais-Verantwortlichem und
Relaiswacht ist zwar möglich, keineswegs aber die Regel.
Der Techniker
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(OM artifex)
Leider hat er eine Vox-Schaltung und einen Basteltisch, aber weder Weib noch
Kind. Vorbildlich beschränkt der Techniker darum das Thema seiner
Aussendungen "auf Mitteilungen über die Versuche selbst". Besonders beliebt
sind seine spannenden Operationen am offenen Herzen von Netzteilen, bei denen
der Zuhörer jedes Durchkneifen eines Drahtes und jede Lötstelle live
miterlebt. Schließlich spielt sich das alles in Realzeit ab. Wenn wir dann
hören: "So, jetzt schraube ich die zweite Gehäuseschraube ein, sitzt, und nun
noch die dritte und die...", freuen wir uns schon aufs nächste Mal.
Spielarten des OM artifex sind der Bastler, der sich nach der Verpuppung,
während meist wenig von ihm zu hören ist, in einen OM probans verwandelt,
sowie der OM digitalis.
Der Tester
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(OM probans)
Er ist die verschärfte Form des Technikers und kommt wie Gott Jahwe mit
Brausen daher. Oder mit einem heulenden Pfeifen oder nur mit einem stummen
Träger oder einem so gescrambelten Nutzsignal, dass sich
Mobilfunk-Kryptologen sämtliche 10 Finger danach lecken würden. Identifizieren
kann man den Tester nur an der Antwort des Langmütigen, dieses einen wahren
Freundes, den jeder Tester braucht und hat: "Henning, wenn Du das warst, das
war mal wieder nix."
Der Packet-Spezialist
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(OM digitalis)
Ist die Kreuzung aus Kummerkasten und Techniker: Er hat das Händchen für
Computer und sämtliche bei SP einstellbaren Parameter im Kopf. Infolge
solcher Talente klebt das Rufzeichen eines OM digitalis an etwa 70% aller für
Amateurfunkzwecke eingesetzten Rechner. Grob unterteilbar in Apfelbutzen,
Atarianer, MS-Dose, Amiga-Fetischist und Ewig-Gestriger (auch Commo-sixty-
four genannt). Die ökumenische Variante ist Mitglied mehrerer Betriebs-
Systems-Glaubensgemeinschaften - zumindest gewesen. Abgesehen von der
Bekehrung der Zögernden zu OS-Halbe, größeren Festplatten und schneller
getakteten Prozessoren erteilt der OM digitalis vor allem zwei Arten von
Ratschlägen: Binsenwahrheiten wie "Vor den Booten muss das Netzteil
eingeschaltet werden" und pythische Orakel über den Interrupt 21h:
Bekanntlich nährt den Ruhm eines Computerfachmanns nichts so sehr wie
Ratschläge, mit denen die Beratenen nichts anfangen können. (Einige der
Begriffe sind eingetragene Warenzeichen von IBM, Microsoft, Sigi Kluger und
Meister Kistenmacher.)
Die Hartgesottene
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(YL dura)
Sie hat sich damit abgefunden, dass sie sich in einer Männergesellschaft
bewegt. Daher ihr Entschluss, der stärkste Mann auf dem Relais zu sein. Nach
einhelligem Urteil ist ihr das gelungen. Die YL dura ähnelt ihrer
Betriebstechnik nach am meisten dem Routinier.
Die Sirene
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(YL improba siren)
Sie musste sich nicht sonderlich damit abfinden, dass sie sich als reizvolle
Ausnahme in einer Männergesellschaft bewegt. Da sie weiß, was Männer
wünschen, lockert sie Runden, die in der Langweiligkeit der Digitaltechnik zu
versanden drohen, durch triggernde Themen wie etwa Vor- und Nachteile
bestimmter Duftwässer auf. Ob sie munter über Kinn-, Schnurr- und
Backenbärte, das Idealgewicht des Mannes oder Haare auf der Brust plaudert,
als Entertainerin lebt sie von der beziehungsreichen Anspielung im
Geschlechterkampf.
Die lizensierte Gattin
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(YL uxor licentiata)
Sie hat die Lizenz machen müssen, weil "der Meinige", so nennt sie ihn, ihr
auf diesem dornenreichen Pfad vorangeschritten ist. Das lässt sie den Ihrigen
und alle Welt bei jedem Funkkontakt entgelten.
Die echte YL
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(YL purissima)
Sie funkt seit 1951, hat 3 B-Lizensierte in die Welt gesetzt und 7 Enkeln die
offene Lecherleitung gepaukt. Sie ist YL mehr aus Berufung als von Natur. Als
solche ist sie, wenn sie nicht in exzellenter Betriebstechnik funkt, mit der
Organisation von YL-Treffen, dem Häkeln von geschmackvollen Kissenüberzügen
für den nächsten YL-Basar oder Kuchenbacken für den traditionellen
Altennachmittag ihres Ortsvereins beschäftigt. Ihr einziges Laster außer
ihrer mit fanatischem Einsatz betriebenen DIG-Mitgliedschaft: Sie versteht
sich als Public-Relations-Managerin einer Minderheit und muss einen stets aufs
Neue darüber aufklären, dass es YLs gibt.
Der Palaverer
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(OM sermunculus)
Statistisch gesehen die häufigste Erscheinungsform des Relaisbenutzers,
einfach weil, wenn er mal da ist, bleibt er auch: Er ist nun mal nicht kurz
da. Der Palaverer braucht nichts so wenig wie ein Thema. Was der Routinier
mit einem "now QRU" erledigt, gerät ihm zu einem Viertelstunden-Durchgang.
Berüchtigt ist das Geschick, mit dem der Palaverer durch millisekunden-kuzes
Wegnehmen des Trägers die "Quasselsperre" des Umsetzers mitten im Satz
unterläuft, um ohne Punkt und Komma weiterzureden. Gute Palaverer ersetzen
mühelos das Frühstücksfernsehen und die Lektüre einer regionalen
Morgenzeitung, Spitzenleute bieten Monologe, die von Beckett sein könnten.
Die Bake
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(OM nuntius)
Er meldet, dass er da ist, sonst nichts. Gezielte Anrufe bleiben
unbeantwortet und vergrämen ihn. Die Bake wandelt sich dann zum Zuhörer.
Die OV-Telefonzentrale
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(OM OV-OVSt)
Die Telefonzentrale ist eine besondere Form der Relaiswacht: immer da, und
zwar auf mehreren Relais und Bändern, also stets erreichbar und mithörend, 24
Stunden am Tag darüber orientiert, wer sich wann und wo gemeldet hat.
Unaufgefordert verhilft er jedem Rufer zur gewünschten Verbindung, falls
überhaupt möglich. Die Telefonzentrale führt Register über urlaubsbedingte
Abwesenheit und Abgänge durch Todesfall, weiß, wer krank ist, heute
Geburtstag hat, seit viereinhalb Wochen nichts mehr hat hören lassen oder die
Lizenz abgeben musste. Der OM OVSt kennt alle Rufzeichen, wenn nicht dieser
Welt, dann doch die von Schaumburg-Lippe beispielsweise, und ist
unentbehrlich, wenn es gilt, Differentialdiagnosen zwischen dem
"9ABC-Michael", dem "7XY-Michael" und dem "4ZAB-Michael" zu stellen.
Der Zuhörer
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(OM SWL)
Weil er stumm ist, bleibt er unsichtbar. Es spricht für den Ham-Spirit, wenn
er im Abschluss-Segen eines Rundspruchs gleich nach den Kranken, Waisen und
Witwen erwähnt wird. Viele Baken werden Zuhörer.
Der geheimnisvolle Relais-Auftaster
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(OM 1750Hz)
Er ist von der komplizierten Bedienung moderner japanischer FM-Geräte völlig
überfordert. Die einzige Taste, die er bislang gefunden hat (und leider immer
wieder findet), ist der Rufton.
Wird wie eine Motte vom Licht durch Relais mit Roger-Piep angezogen; die
durchschnittliche Frequenz süchtiger Auftaster liegt bei 360 bpm (beeps per
minute).
Der Pirat
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(Pirata piraticus)
Er entzieht sich der Klassifikation, denn er gehört nicht dazu, er ist sehr
wohl, obwohl er nicht sein darf. Berühmt ist seine Mimikri: Nimmt durch nicht
ungeschickte Wahl von Phantasie-Rufzeichen die Erscheinung des OM vulgaris
an, äußert sich häufig und anhaltend ähnlich wie OM 1750Hz oder OM probans.
Der einfach strukturierte Pirat beschränkt sich auf Rülpser oder unflätige
Zwischenrufe. Umstritten ist, ob es sinnvoll sein kann, diese Unart genauer
zu klassifizieren - etwa den Flüsterer von der Jukebox oder den Trägerdrücker
in den gemeinen Störer mit und ohne Lizenz, den Hirnamputierten und den
Alkoholiker etc. zu unterscheiden. Nein, Existenz und Treiben des Piraten
veranlasst uns nur zu einem Satz: Omas, schenkt euren Enkeln keine Funkgeräte!
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